In wie weit sind die Mittel der Marine in das Konzept des Havariekommandos eingebunden?

Die technischen und personellen Mittel der Marine sind nicht planbar, da sich ihre Verfügbarkeit ständig ändert. Ein Großteil des Personals und der Einsatztechnik der deutschen Marine ist ständig in internationale Aktionen eingebunden und dementsprechend selten an der Nord- bzw. Ostseeküste in relevanten Größenordnungen präsent. Hinzu kommen lange Rüstzeiten bei den medizinischen Einsatzmitteln wie dem MERZ, die einem schnellen Einsatz nach einem Unfall auf See entgegenstehen.

Eine feste Planung mit Marineeinheiten für die Bewältigung einer Großschadenslage auf See ist daher nicht möglich. Dennoch werden natürlich in einem solchen Fall die verfügbaren Kapazitäten vom Havariekommando abgefragt und eingesetzt. Für die entsprechende Zusammenarbeit ist ein Vertreter der Marine in die Arbeit des Einsatzstabes des Havariekommandos in Cuxhaven integriert.

Wie viele Mobile Medizinische Einsatzzentren der Marine sind derzeit verfügbar?

Die Nutzung eines Marineeinsatzrettungszentrums (MERZ) ist in der Regel an einen Einsatzgruppenversorger (EGV) gebunden. Ein MERZ besteht aus 26 Containern, die zweistöckig auf dem Oberdeck eines EGV aufgebaut und dabei auch in Teile der Schiffskonstruktion integriert werden können. Das MERZ verfügt über alles, was zur Notfallversorgung nötig ist. Dazu zählen eine OP-Abteilung mit zwei Operationsräumen, eine Bettenstation mit 22 Betten inklusive Intensivpflegeplätzen, eine Röntgen- und Laborabteilung, eine Apotheke sowie ein Bereich für die zahnärztliche Behandlung.

Zusammen mit dem Behandlungsraum des Schiffslazarettes, der im MERZ die Funktion des Schockraumes übernimmt und der an Bord anstelle eines Laderaumes festinstallierten Pflege-/Bettenstation wird eine Primärversorgungs- und postoperative Betreuungskapazität für maximal 45 Patienten erreicht. Der Bettenraum des Schiffslazarettes kann bei Bedarf auch als Isolierstation mit neun Betten genutzt werden. [1]

Die Ärzte, Fachärzte und Sanitätssoldaten im MERZ sind ein 28-48köpfiges Team, das ein weitreichendes Spektrum an Verletzungen behandeln kann. Dabei wird der fest zur Schiffsbesatzung gehörigen Schiffsarztgruppe vom Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr zusätzliches medizinisches Personal zu Seite gestellt, das für den Einsatzzeitraum an Bord verbleibt. [2] In der Regel werden diese Ärzte aus den Bundeswehrkrankenhäusern rekrutiert. Die Rüstzeit für den Aufbau, die Inbetriebnahme und die Bemannung eines MERZ liegt bei etwa einer Woche. Hinzu kommt die Fahrzeit auf See bis zum jeweiligen Einsatzort. Die Marine verfügte über zwei derartige Einsatzzentren [3], eins davon ist beim Brand einer Lagerhalle in Bremen am 22. Februar 2015 verbrannt. Die Container eines Marineeinsatzrettungszentrums (MERZ) wurden vernichtet. [4] Die darin normalerweise verstauten medizinischen Geräte waren zwar ausgebaut, da sie aber so konstruiert sind (Anschlüsse, Ventilation usw.), dass sie nur in Verbindung mit den Spezialcontainern einsetzbar sind, ist das gesamte System nicht mehr nutzbar.

Das zweite MERZ-System ist derzeit (2015) im Mittelmeer im Einsatz. Auch sonst befinden sich diese Systeme eher im Ausland. So waren die MERZ nach der Tsunami-Katastrophe in Süd-Ost-Asien, am Horn von Afrika und vor der Küste des Libanon im Einsatz [3].

Literatur:
[1]           www.marine.de
[2]          www.einsatz.bundeswehr.de
[3]          www.y-punkt.de
[4]          http://augengeradeaus.net/2015/02/marine-verliert-die-haelfte-ihrer-schwimmenden-krankenhaeuser/

Über welche medizinischen und personellen Kapazitäten verfügt ein Einsatzgruppenversorger und wie ist die Verfügbarkeit?

Die Marine verfügt derzeit über drei Einsatzgruppenversorger: die „Berlin“, die „Frankfurt am Main“ und die „Bonn“, die alle in Wilhelmshaven stationiert sind. Die logistische Hauptaufgabe des Schiffes besteht in der Versorgung der Einheiten mit Betriebsstoffen, Verbrauchsgütern, Proviant und Munition. Im Wesentlichen gehören dazu Kraftstoff und Öl, Frischwasser, Proviant, Munition und Verbrauchsgüter. Der Kraftstoffvorrat eines EGV für den Eigenbedarf und zur Abgabe an andere Einheiten beträgt ca. 9.500 m³. Die an Bord verfügbare Frischwassermenge wird aus eigenen Frischwassererzeugern (Tagesleistung: 25 m³) permanent ergänzt, so dass auch Wasser an andere Einheiten abgegeben werden kann. Es können ca. 230t Proviant in Tiefkühllasten und Trockenproviant-Lagerräumen mitgeführt werden. Zusätzlich verfügt das Schiff an Oberdeck über Stellplätze für zwölf Standard-20 FT-See-Container – dies kann genutzt werden für den Aufbau eines Marineeinsatzrettungszentrums (MERZ) zur medizinischen Versorgung. Ein EGV kann zwei Sea King M41 Hubschrauber an Bord transportieren [1]. Standardmäßig befinden sich 159 Mann Besatzung an Bord, die bis auf 233 aufgestockt werden kann.

Die Deutsche Marine beteiligt sich zurzeit mit dem Einsatzgruppenversorger „Berlin“ an dem EU-Einsatz im Mittelmeer zur Rettung von in Not geratenen Flüchtlingen. Generell sind alle EGV oft und auch für längere Zeiträume in internationale Missionen eingebunden, so dass ihre Verfügbarkeit für einen Einsatz in der Ost- oder Nordsee nicht vorausgesetzt und ihr Einsatz bei einem MANP auf See daher nicht fest eingeplant werden kann.

[1]  www.marine.de

Welche für einen Einsatz auf See qualifizierten Ärzte hat die Marine und wie sind diese für einen zivilen Einsatzfall verfügbar?

Ärzte bei der Marine sind speziell für den Einsatz auf See ausgebildet. Marineärzte sind an Land jedoch kaum verfügbar. In aller Regel ist ein Marine-Schiffsarzt an Bord seiner Einheit und mit dieser oft weltweit unterwegs. An Land ist ein Marine-Schiffsarzt i.d.R. im Freizeitausgleich, Urlaub oder auf Weiterbildung. Die Verfügbarkeit in einem zivilen Notfall ist daher als gering einzuschätzen und zudem nicht planbar. Nur ein geringer Teil der Bundeswehrärzte gehört überhaupt der Marine an, die meisten sind in den Sanitätszentren der Bundeswehr beschäftigt.