Welche Ausrüstung muss ein Notarzt für den Einsatz auf See und den Flug mit einem Helikopter über See haben?

Die Notärzte, die im Auftrag des Havariekommandos in den Verletztenversorgungsteams mitarbeiten, haben eine einheitliche Ausrüstung, die in Zusammenarbeit von Havariekommando und der Expertengruppe Leitender Notärzte festgelegt wurde. Dazu gehören:

Schutzkleidung:

  • Kälteschutzanzug, dazugehörige Stiefel (keine Schnürschuhe, damit Schuhe beim Fall ins Wasser noch ausziehbar bleiben)
  • Helm
  • manuell auslösbare Rettungsweste (nicht durch Nässe auslösend, da im Einsatz Kontakt mit Spritzwasser möglich)

Medizinische Ausrüstung eines VVT [1]:

  • 1 Rucksack LNA SEE
    • Material für Sichtung und Dokumentation
    • Einsatzset Infusion+Schmerz
  • 1 Rucksack NA SEE
    • Einsatzset Infusion+Schmerz
    • Einsatzset Diagnostik+Atemwegsmanagement
    • Ampullarium
    • AED
    • Schienungs- und Verbandsmaterial
  • 4 Rucksäcke RA/RS
    • 2x Einsatzset Infusion+Schmerz
    • Einsatzset Diagnostik+Atemwegsmanagement
    • Schienungs- und Verbandsmaterial

Medizinische Zusatz-Ausrüstung eines VVT [1]:

  • 1 Rucksack MANV-12
    • 12x Einsatzset Infusion+Schmerz
    • Einsatzset Diagnostik+Atemwegsmanagement
    • Schienungs- und Verbandsmaterial
    • 1Beatmungstasche 2 Ltr. Sauerstoff
    • Rettungstrage und Spineboard

Literatur:
[1]          Vortrag Havariekommando, 15.4.2015, Cuxhaven

Welche Ausbildung muss ein Notarzt für den Einsatz auf See und den Flug mit einem Helikopter über See haben?

Es existiert derzeit keine nationale oder internationale gesetzliche Vorschrift über Zusatzqualifikationen (ziviler) Notärzte im Einsatz auf See. Organisationen, die derartige Einsätze anbieten und durchführen, haben in der Regel eigene Anforderungsprofile für Notärzte auf See erarbeitet. Das bedeutet, dass Notärzte nur nach Vorlage bestimmter Zusatzqualifikationen für die jeweiligen Organisationen tätig werden können.

Das Havariekommando schult seine Verletzten-Versorgungsteams (VVT) mit speziellen Lehrgängen. Die VVT´s rekrutieren sich aus kommunalen Land-Rettungsdiensten.
Die Anforderungen an diese Lehrgänge wurden in Zusammenarbeit mit der Expertengruppe Leitender Notärzte und mit der Arbeitsgemeinschaft der Feuerwehren See erarbeitet.

Diese Lehrgänge umfassen insbesondere folgende Inhalte [1], [2]:

  • Anlegen von Persönlicher Schutzausrüstung (Kälteschutzanzug, Rettungsweste)
  • Umgang mit Kommunikationsmitteln, Kommunikation mit dem Havaristen, Kommunikation mit der Hubschrauberbesatzung
  • „open survival training (Aufenthalt im Rettungsfloß)
  • Winschvorgänge (Abwinschen auf das Schiff, Aufwinschen von Patienten)
  • Bauliche Besonderheiten an Bord, bordeigene Brandbekämpfungs- und Rettungsmittel
  • Umgang mit „seetypischen“ Krankheiten (Ertrinken, Unterkühlung)
  • Einsatztaktiken
  • Grundlagen maritimes Englisch

In Gesprächen mit Mitgliedern von VVT’s wurde deutlich, dass eine solche Zusatzqualifikation unerlässlich für einen sicheren Einsatz auf See ist. Aus verschiedenen Gründen können diese Lehrgänge durch die einzelnen VVT-Mitglieder jedoch nur zu selten (ca. alle 2 Jahre) wahrgenommen werden. Ein tatsächlicher Trainingseffekt wird somit nicht erreicht. Die befragten Personen fühlten sich „qualifiziert, aber nicht trainiert“ und dementsprechend für einen Einsatz im Ernstfall nur ungenügend vorbereitet.

Auch Anbieter von privaten Offshore-Rettungsdiensten fordern von „ihren“ Notärzten spezielle Zusatzausbildungen. Dies sind insbesondere folgende Kurse:

  • HEMS- Kurs (Helicopter Emergency Medical Service) [3], [4]
  • DIVI-Kurs „Intensivtransport“ [5], [6]
  • BOSIET (Basic Offshore Safety, Induction & Emergency Training) [7]
  • HUET (Helicopter-Underwater-Escape-Training) [8]
  • Ausbilderqualifikation für “Ersthelfer–‐Offshore” Refresher-Kurse nach DGUV Standard [9]

Diese Ausbilderqualifikation setzt insbesondere voraus:

  • eine aktive rettungsdienstliche Tätigkeit mindestens auf dem Ausbildungsniveau eines Rettungssanitäters unter Supervision des kursverantwortlichen Arztes
  • Erfahrung in der Planung und Durchführung von Szenario-basierten Trainings
  • Kenntnisse der offshore-spezifischen Verhältnisse (Anlagen, Rettungskonzepte)
  • Kenntnisse über Telekonsultation
  • Grundkurse zu Arbeitsschutzthemen bei Offshore-Windparks (OWP) diverser Anbieter zu theoretischen und praktischen Kenntnisse über PSA, Rettung und sonstige offshore-spezifische Aspekte
  • Ausbildung im Bereich Höhenrettung

Die genannten Kurse enthalten allerdings in keinem Fall spezifische Anforderungen für den Fall „Einsatz an Bord eines Schiffes“, da sie sich entweder primär auf einen Einsatz mit dem Helikopter beziehen (ohne Spezifik See) oder auf Einsätze auf Offshore-Installationen fokussiert sind.

Literatur:
[1]       Michael Friedrich „Havariekommando- Spezialisten für modernes Notfallmanagement auf Nord- und Ostsee“ in: S. Schröder; D. Schneider-Bichel: Wasserrettung und Notfall-medizin- Medizinische und technische Herausforderungen an die Wasserrettung, ecomed Sicherheit 2010, S. 54ff
[2]       https://www.wsv.de/ftp/presse/2006/00331_2006.pdf
[3]       http://www.hems-academy.de/
[4]       http://www.windea-care.de/de/module/rettungshelikopter-hems-crew.html
[5]       www.divi-org.de
[6]       http://www.asklepios.de/upload/divi_its_Transport_12031.pdf
[7]       http://www.isc-ta.com/training/bosiet-offshore-training.html
[8]      http://www.marikom-elsfleth.de/offshoretraining/Inhalt-HUET/
[9]       http://www.dguv.de/medien/fb-erstehilfe/de/documents/info_offshore.pdf

Kann ein Schiff extern mit Wasser versorgt werden?

Grundsätzlich kann man Schiffe mit externem Lösch- oder Trinkwasser versorgen. Es kommt jedoch immer auf die konkreten Bedingungen an.
Kann ein Hilfsschiff beispielsweise an einem Havaristen längsseits gehen und somit eine feste Verbindung herstellen, können von dort aus Löschschläuche ausgelegt und ein Löschangriff gestartet werden. Jedes Schiff verfügt auch immer über mindestens 1 ISO-Feuerlöschanschluss.

Die Versorgung mit externem Trinkwasser könnte möglicherweise so erfolgen, dass mit einem Hilfsschiff Wassertanks zum Havaristen gebracht werden, die eigentlich für den Landeinsatz konzipiert sind. Die Schiffsführung des Havaristen muss dann prüfen, ob die Tanks an Deck gestellt werden können oder ob die Versorgung vom Hilfsschiff aus erfolgt.
Die Marine sowie einige ausgewählte Häfen halten eigene Trinkwasserversorgungsschiffe sogenannte Waterbarge vor.

Bei allen Varianten muss die jeweilige konkrete Situation, insbesondere die meteorologischen Bedingungen bewertet werden, um zu einer Entscheidung bzw. Lösung des Problems zu kommen.