Wo ist der Unterschied zwischen dem „Point of Contact“, der Zentralen Meldestelle und dem MRCC?

Die Einrichtung eines Point of Contact (PoC) geht auf die Umsetzung der Vorgaben des ISPS-Codes zurück. Der wurde nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erarbeitet, um Schiffe und Häfen besser vor terroristischen Anschlägen zu schützen. In der Europäischen Union wurde der ISPS-Code durch die Verordnung EC 725/2004 umgesetzt, die 2004 in Kraft trat. Darin heißt es in Regel 7 (Drohungen gegen Schiffe):
“Die Vertragsregierungen benennen eine Kontaktstelle, über welche diese Schiffe um Rat oder Unterstützung ersuchen können und an die sie über etwaige Sicherheitsbedenken in Bezug auf andere Schiffe, Bewegungen oder den Nachrichtenverkehr berichten können.”
Um dieser Forderung Genüge zu tun, wurde als so genannter Point of Contact zunächst die Verkehrszentrale des Wasser- und Schifffahrtsamtes Wilhelmshaven benannt. Auf Basis der Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Küstenländern zur Schaffung des Maritimen Sicherheitszentrums (MSZ) ist die Kontaktstelle inzwischen im Maritimen Sicherheitszentrum (MSZ) in Cuxhaven angesiedelt. Der Point of Contact im eigentlichen und nach derzeitiger Gesetzeslage (2016) immer noch gültigen Sinne ist also ein Ansprechpartner für Schiffe, die sich einer kriminellen/terroristischen Bedrohung ausgesetzt sehen. Das kann beispielsweise ein Terroranschlag oder eine Geiselnahme sein. Der PoC soll somit die Kommunikationsstelle zwischen Schiff und Sicherheitsbehörden des jeweiligen Staates darstellen.

Der Begriff PoC wird auch gelegentlich etwas irreführend als Synonym für die Zentrale Meldestelle verwendet. Alle Schiffe, die einen deutschen Hafen anlaufen, müssen hierhin bestimmte Informationen überliefern (siehe auch Single-Windows-System). Diese Meldestelle ist ebenfalls im MSZ in Cuxhaven angesiedelt.

Das MRCC (Maritime Rescue Coordination Center) Bremen nennt sich selbst auf seiner Webseite „National Maritime SAR Point of Contact“, so dass dieser Begriff hier erneut fällt. Tatsächlich taucht dieser Begriff in verschiedenen IMO-Regularien auf. Point of Contact heißt übersetzt einfach „Ansprechpartner“. Da es für verschiedene Dinge durchaus verschiedene Ansprechpartner gibt, ist diese Bezeichnung oft verwirrend. Das MRCC Bremen ist in der Regel für viele Schiffe der erste Ansprechpartner bei einem Seenotfall. Es wird von der DGzRS betrieben. Im MRCC werden die Alarme entgegengenommen und die nachfolgenden SAR-Aktivitäten koordiniert, in der Regel auch in Zusammenarbeit mit dem MSZ in Cuxhaven.

Zusammenfassung:
Point of Contact: Ansprechpartner für kriminelle/terroristische Bedrohungen à im MSZ Cuxhaven
Zentrale Meldestelle: Annahme der Anlaufdaten einkommender Schiffe -> im MSZ Cuxhaven
MRCC: Ansprechpartner für Seenotfälle -> DGzRS in Bremen -> ggf. Weiterleitung an MSZ in Cuxhaven

Die Einrichtung des MSZ in Cuxhaven bündelt also letztendlich alle eingehenden Meldungen.