Können Sichtungs-, Sanitäts- und Betreuungsaufgaben vom Bordarzt delegiert werden?

Bordärzte sind nur auf Kreuzfahrtschiffen sowie auf ausgewählten Forschungs- und Marineschiffen verfügbar. Auf Handels- sowie auf Fährschiffen müssen medizinische Aufgaben durch entsprechendes ausgebildetes nautisches Personal (regelhaft der 2. Nautische Offizier) wahrgenommen werden. Während der maritimen Ausbildung muss seefahrendes Personal ein Befähigungszeugnis nach STCW ablegen sowie alle 5 Jahre einen Auffrischungskurs Medical Refresher nachweisen. Juristisch gesehen ist die medizinische Hilfe eines nautischen Offiziers gleichzusetzen mit einer Laienhilfe.

Geplant delegiert werden dürfen alle Aufgaben, die nicht Kern ärztlichen Handelns sind. Das schließt Befundung, Diagnose, Medikation und Heileingriffe aus. Ebenso besteht vor einer Delegation die Pflicht zur Prüfung des medizinischen Wissens von Hilfspersonen. Die Pflichten zur Überwachung der delegierten Aufgabe durch den Arzt bleiben bestehen! In Notsituationen ist ein weiter Radius zu ziehen, da eine Pflichtenkollision beim Arzt bestehen wird.

Die Sichtung von Verletzten oder Erkrankten während eines Massenanfalls von Verletzten (MANV) ist grundsätzlich ärztliche Aufgabe. An Land hat sich insbesondere bei unübersichtlichen Schadenslagen das Konzept der „Vorsichtung“ durch nicht-ärztliches medizinisches Personal etabliert. Auf See könnte diese Aufgabe durch das Hospitalpersonal übernommen werden. Diese „Vorsichtung“ ersetzt keine ärztliche Sichtung.

Sanitäts- und Betreuungsaufgaben können dagegen nach ärztlicher Delegation und Überwachung von entsprechend geschultem nicht-ärztlichem medizinischem Personal übernommen werden. Der Umfang richtet sich immer nach der Qualifikation und Verfügbarkeit des vorhandenen Personals.
Sanitätsaufgaben können beispielsweise an das Hospitalpersonal, medizinisch geschulte Passagiere oder nautisches Personal delegiert werden. Betreuungsaufgaben können auch von weiteren Besatzungsmitgliedern übernommen werden.